Aber die Hoffnung stirbt zuletzt

08.07.2016

Mal wieder ein kleines Résumé und viele Buchstaben von mir nach etwas turbulenten, emotionalen Tagen.

Zum einen ging mir das Schicksal der jungen Syrerin sehr nah, der die Obdachlosigkeit drohte. Ich habe in diesen Tagen sehr viel gelernt über Menschen, die gefangen sind in den ganzen Verkrustungen von Regularien, Gesetzen, Vorgaben und sie regelrecht geknebelt sind und auch dadurch Vieles entschuldigen – ich habe viele Menschen gesprochen, die mir erklärt haben, was nicht möglich ist – und das bis ins kleinste Detail. Glaubt mir, es gibt für alles Argumente, Dinge zu verhindern – einen mit einem Problem alleine da stehen zu lassen und wirklich nur sehr wenige Menschen, die über ein Ermöglichen nachgedacht haben. Durch diese moralische Unterstützung schafft man dann auch irgendwie Berge zu versetzen und doch noch ein halbwegs gutes Ende zu finden. Ich danke jedem dafür – jeder einzelne hat dazu beigetragen. 
Die junge Syrerin ist nun für 4 Wochen in einem Zimmer untergebracht, wo sie endlich zur Ruhe kommen kann. Ihre Flucht ist nun endlich auch im Kopf beendet und wir werden hoffentlich in den nächsten Wochen eine längerfristige Wohnmöglichkeit in Donauwörth finden.

Zum anderen geschieht gerade etwas, wo ich traurig und wütend zugleich bin. Es wurde begonnen die Ablehnungsbescheide für afghanische Asylbewerber zu verschicken. Dazu muss ich einen kleinen Rückblick ins letzte Jahr geben. Im letzten Jahr gab es für die Afghanen Aussicht auf Anerkennung. Zwar standen sie im Herbst nicht auf der Liste der plötzlich wie aus dem Nix gekommenen vorgezogenen Sprachkurse, jedoch wurden sie von der Arbeitsagentur doch in Deutschkurse vermittelt. Auch unseren Youngstern gab man die Möglichkeit die Berufsschule zu besuchen mit der Aussicht in Arbeit bzw. Ausbildung zu kommen. Beworben wurde bereits im letzten Jahr das Modell 3+2 – 3 Jahre Ausbildung und 2 Jahre Arbeiten. Dies sollte ein besonderer Anreiz auch für Arbeitgeber sein. Gerade im Handwerk werden dringend Leute gesucht. Diese Chance wurde von einigen genutzt.

Wir Ehrenamtler suchten Praktikumsstellen um die Jungs und Mädels hospitieren zu lassen – Perspektiven zu schaffen, Telefonierten mit Firmen, begleiteten die Leute zu Vorstellungsgesprächen, Deutschintensivierungskurse sollten dazu dienen, unsere Sprache besser anzuwenden…und und und… Bei der Integration waren unsere Jungs auf dem besten Weg und bei manchen ist sie sogar schon geglückt und sie sind in Arbeit gekommen, haben teilweise eigene Wohnungen gemietet, zahlen Steuern und Versicherung und leben unabhängig von den Asylbewerberleistungen. Nun werden genau diese jungen Menschen abgeschoben, die gezeigt haben, dass Integration gelingt.. Wir können nur hilflos zusehen, wie auch unsere ganze eingesetzte Energie, unser Hoffen, unsere Freude über jeden Fortschritt zur Integration mit einem Stück Abschiebungsbescheid zu Nichte gemacht wird.

Schade – wirklich sehr schade für jeden Einzelnen, der nun bald gehen muss – auch schade für die Arbeitgeber, die nun ihre Mitarbeiter verlieren, die sie fest eingeplant hatten. Schade auch für Sponsoren, die sich finanziell eingesetzt hatten durch schnelles Sprache-lernen Mitarbeiter zu gewinnen. Schade für unsere Stadt, die tolle Helfer und Menschen verliert, denn es sind genau diese, die im letzten Jahr als Ehrenamtler die Turnhallen mitstämmten und heute angestellt bei den Maltesern arbeiten und die neuangekommenen Flüchtlinge betreuen, Übersetzen für die Regierung, für Ärzte und für Ämter und auch für Ordnung sorgen, indem sie die erste Orientierungshilfe hier in Deutschland geben über Recht und Ordnung. Schade für uns, die Freunde, Patenschützlinge und liebgewonnene Menschen verlieren werden. Alle Helfer sind sehr traurig darüber.

Wie soll das nun weitergehen? Warum blickt man denn nicht auf den Grad der Integration bei Entscheidungen? Ich spüre, es wird wieder eine Veränderung geben im Ehrenamt,– es fühlen sich viele vor den Kopf gestoßen und verarscht nach den Versprechungen und Behauptungen vom letzten Jahr – es werden wohl wieder einige Ehrenamtliche abspringen oder sich anderen Aufgaben zuwenden. Fordern und fördern sagt die Regierung – für was und für wen gilt das? … und ab wann? Ab Anerkennung? - der Zug ist für unsere Jungs wohl abgefahren... 

aber wie immer stirbt die Hoffnung ja zuletzt...

 

 

 

 

 

Please reload

Letzte Posts

05.12.2019

02.10.2019

29.08.2019

13.04.2019

Please reload

Archiv
Follow Us
Please reload

  • Facebook Basic Square

© 2018 by Aktion Anker DON

November 2019

  • Instagram
  • Facebook